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Ali Chamenei
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Ali Chamenei ([], offiziell auch Seyyed âAli Chameneâi, persisch ŘłŮŘŻ ŘšŮŰ ŘŽŘ§Ů
ŮŮâاŰ, DMG Seyyed âAlÄŤ-ye ḪÄmeneâÄŤ, weitere Schreibweise Ali Khamenei; * 19. April 1939cite-ref-1[1] in Maschhad) ist ein iranischer Politiker und ReligionsfĂźhrer. Er ist als Oberster FĂźhrer und Nachfolger von Ruhollah Chomeini seit 1989 das politische und religiĂśse Oberhaupt des mehrheitlich schiitischen Iran.cite-ref-2[2] Chamenei ist in dem Sinne auch âRevolutionsfĂźhrerâ (persisch ŘąŮبع اŮŮŮاب, DMG Rahbar-e enqelÄb)cite-ref-lea-3-0[3] sowie hĂśchste geistliche Instanz im Range eines Ajatollah und der Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte in der Islamischen Republik Iran.cite-ref-autogenerated1-4-0[4]
Contents
⢠Herkunft
⢠Ausbildung
⢠Aufstieg
⢠Erster Golfkrieg
⢠Innenpolitik
⢠GroĂajatollah
⢠Medien
⢠Antizionismus
⢠AuĂenpolitik
⢠Atomstreit
⢠Irakkrieg
⢠Syrien
⢠USA
⢠Jassir Arafat
⢠Schatt al-Arab
⢠Familie
⢠Ăbersetzungen
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Herkunft
Ali Chamenei, der mit seiner Familie im Beit-e Rahbari (âHaus des FĂźhrersâ), einem kilometerlangen Hochsicherheitstrakt in der iranischen Hauptstadt Teheran, lebt, wurde als zweites von acht Kindern des Klerikers Dschawad Hosseini Chameneâi in der Stadt Maschhad geboren. Ali Chameneis Vater war ein Aserbaidschaner aus Täbris,cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] seine Mutter stammte aus Yazd. Die Familie lebte laut offiziellen Angaben Chameneis in wirtschaftlich sehr schwierigen Verhältnissen.cite-ref-lea-3-1[3] Sein jĂźngerer Bruder ist der iranische Reformpolitiker und regimekritische Publizist Hadi Chameneâi. Chameneis Schwester Badri Hussein Chamenei war verheiratet mit dem oppositionellen Ajatollah und Chomeini-SchĂźler Ali Tehrani, der 1995 in Iran zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.cite-ref-7[7]
Ausbildung
Bereits mit fĂźnf Jahren besuchte er die Grundschule, später das religiĂśse Seminar in Maschhad. Seine Vorbilder waren der Attentäter Navvab Safavi und Ruhollah Chomeini, dessen ProtegĂŠ er wurde. 1957 pilgerte er nach Nadschaf, um als Student seine religiĂśsen Studien bei den bekanntesten Lehrern der damaligen Zeit zu beginnen. 1958 unterbrach er sein Studium auf Bitten seines Vaters und kehrte aus dem Irak zurĂźck. Bis 1964 war er in Ghom als Student eingeschrieben, ohne einen Abschluss zu machen.cite-ref-8[8] 1962 trat er der Oppositionsbewegung von Ajatollah Chomeini bei. Er war am stärksten durch die Schriften von Sayyid Qutb, dem fĂźhrenden Kopf der ägyptischen Muslimbruderschaft, beeinflusst, die er zum Teil selbst in das Persische Ăźbersetzte, so 1967 das Buch Die Zukunft dieser Religion. Er las als junger Mann aber auch zahlreiche Romane und fĂźhrte später Die Elenden von Victor Hugo als das Werk an, das ihn am meisten beeindruckt habe. Chamenei stand in enger Beziehung zu den einflussreichen Intellektuellen Ali Schariati und DschalÄl Äl-e Ahmad und generell mit säkularen Kreisen, die nach dem Sturz von Mohammad Mossadegh im Jahr 1953 durch die Operation Ajax zunehmend antiimperialistisch und antiamerikanisch geprägt wurden.cite-ref-9[9] Mit der Ausweisung seines Mentors Chomeini im Jahre 1964 radikalisierte sich sein politisches Vorgehen. Chamenei wurde wegen seiner politischen Aktivitäten in der Zeit von 1963 bis 1978 sechsmal inhaftiert.
Spekulationen, denen zufolge die Wurzeln seiner Feindschaft gegenßber Israel und den Vereinigten Staaten auf diese Zeit zurßckgehen, werden mit der Folter und Einzelhaft begrßndet, die Chamenei erlitt, da der SAVAK von der CIA und dem Mossad geschult wurde. Bei seiner letzten Festnahme im Jahre 1977 wurde er fßr drei Jahre nach Iranschahr verbannt, im Zuge der Vorrevolution jedoch Mitte 1978 freigelassen.cite-ref-sad-10-0[10]cite-ref-lea-3-2[3] Chamenei war 1977 Grßndungsmitglied der Vereinigung der kämpfenden Geistlichkeitcite-ref-11[11] sowie Grßndungsmitglied des Revolutionsrates und der Islamisch-Republikanischen Partei. Er hielt während der Islamischen Revolution Kontakt zur Tudeh-Partei.cite-ref-12[12]
Politische Laufbahn
Aufstieg
Nach der Revolution war Ruhollah Chomeini als RevolutionsfĂźhrer der Herrscher Irans. Chamenei gehĂśrte anfangs nicht zur FĂźhrungsriege. Chomeini wurde auf den âbrillanten Redner mit durchdringender Stimmeâ aufmerksam und ernannte ihn Anfang 1980 zum Freitagsvorbeter in Teheran.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14] Nachdem Chomeini am 3. Juli 1980 die Anweisung erlassen hatte, alle Ministerien hätten auf die Durchsetzung islamischer Kleidung bei Frauen zu achten, gab es landesweite Proteste gegen den Tschador. Chamenei, damals ein relativ unbekannter Mullah, äuĂerte sich Ăśffentlich dazu:
âIch will sie nicht Prostituierte nennen, denn was eine Prostituierte macht, betrifft nur sie selbst, doch was diese Frauen tun, betrifft die ganze Gesellschaft.âcite-ref-15[15]
Bis 1981 fielen einige FĂźhrungskräfte um Chomeini Attentaten zum Opfer (z. B. Morteza Motahhari, Mohammad Beheschti, Mohammad Dschawad Bahonar) oder beim RevolutionsfĂźhrer in Ungnade (z. B. Abolhassan Banisadr, Mohammad Kazem Schariatmadari). Chamenei gelang es nun, innerhalb der Mullah-Regierung aufzusteigen. Am 2. Oktober 1981 wurde er zum Staatspräsidenten gewählt. Seine Wahl stellte keine Ăberraschung dar, nachdem sich Chomeini auf ihn festgelegt hatte. Er erhielt 95 % aller abgegebenen Stimmen. Daneben Ăźbernahm er nach dem 30. August 1981 auch die FĂźhrung der Islamisch-Republikanischen Partei.
Am 23. Juni 1981 wurde ein Attentat auf Chamenei verßbt. Eine Bombe, die in einem Tonbandgerät versteckt war, detonierte in der Moschee, in der Chamenei betete. Er kann seit diesem Anschlag seinen rechten Arm nicht mehr bewegen.cite-ref-sad-10-1[10]
Erster Golfkrieg
Chameneis Haltung im Ersten Golfkrieg war unnachgiebig, die Losung unter ihm als Staatspräsidenten lautete: âKrieg, Krieg, bis zum Sieg.âcite-ref-16[16] Zitate Chameneis zum Krieg:cite-ref-17[17]
⢠âIraker, erschieĂt eure Offiziere und Beamten.â (4. Juni 1982)
⢠âDer Segen des Krieges ist fĂźr uns unvorstellbar groĂ.â (20. September 1982)
⢠âIch, Sprecher der Nation, der das Vertrauen des Volkes hat, sage euch: der Krieg wird bis zum letzten Blutstropfen weitergefĂźhrt.â (28. September 1982)
Ali Akbar HÄschemi RafsandschÄni lĂśste 1988 auf Anweisung Chomeinis Chamenei als Oberbefehlshaber der Streitkräfte ab und machte damit erst die Annahme der UN-Resolution 598 im Irak-Iran-Krieg mĂśglich.
HÜchster Repräsentant des Staates
Am 4. Juni 1989, einen Tag nach dem Tode Chomeinis, wählte der Expertenrat Chamenei Ăźberraschend zum neuen âRevolutionsfĂźhrerâ. Er wurde damit hĂśchste geistliche und politische Instanz, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Staatsoberhaupt Irans.cite-ref-autogenerated1-4-1[4] Um nicht Verfassungsbestimmungen hinsichtlich des obersten religiĂśsen FĂźhrers zu verletzen, wurde die Verfassung im Nachhinein geändert und durch ein Verfassungsreferendum am 28. Juli 1989 vom Volk bestätigt. Die explizit in der Verfassung genannte Bedingung, dass der religiĂśse und politische FĂźhrer Irans auch der oberste Rechtsgelehrte sein muss, wurde entfernt und durch die Erklärung ersetzt, dass fĂźr das Amt geeignet sei, wer neben islamischer Gelehrsamkeit Ăźber angemessene politische, administrative und soziale Fähigkeiten verfĂźge. Da das Amt aber noch immer mit der geistigen und formal-religiĂśsen FĂźhrung verbunden war, musste Chamenei eine âreligiĂśse Aufwertungâ erfahren, also den religiĂśsen Titel Ajatollah erhalten. Zuvor bekleidete er lediglich den Rang eines Hodschatoleslam. Die Berufung wurde damals von der Ăźbrigen schiitischen Geistlichkeit nur widerwillig hingenommen.cite-ref-18[18]
Wie zuvor Chomeini steht Chamenei als Oberster Fßhrer mit unumschränkten Machtbefugnissen ßber allen Institutionen. Er vertritt eine konservative Politik des Islamismus, die nur selten Reformen zulässt. Dabei stßtzt er sich auf den am 20. Februar 1980 gegrßndeten Wächterrat, der ßber alle politischen Vorgänge, Parlamentsbeschlßsse, Gesetze und die Zensur der Medien wacht und dessen Besetzung er zur Hälfte selber bestimmt, zur anderen Hälfte entscheidend beeinflusst. Er ernennt und beaufsichtigt die Freitagsprediger und bestimmt die Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates.
Innenpolitik
Chamenei schuf 1990 als âgraue Eminenzâ erstmals ein Sondergericht fĂźr die Geistlichkeit, um die Opposition aus islamisch-religiĂśsen Kreisen unter Kontrolle zu halten. Der RevolutionsfĂźhrer greift Ăźblicherweise nicht in die aktuelle Tagespolitik ein, hat aber durch verschiedene Kontroll- und Berufungsfunktionen aufgrund seines Amtes einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Wahlverlierer von Präsidentenwahlen werden meist durch andere Posten entlohnt (z. B. 1997 Ali Akbar Nateq Nuri und 2005 Rafsandschani), um keiner StrĂśmung die absolute Oberhand zu belassen. Machtpolitisch einflussreiche und damit gefährliche Ajatollahs wurden entweder
⢠von der Macht abgelÜst z. B. Mousavi Ardebili, Mohammed-Reza Mahdavi-Kani
⢠unter Hausarrest gestellt z. B. Hossein Ali Montazeri
⢠bei gleicher Ansicht gefÜrdert z. B. Ahmad Dschannati, Mahmud Haschemi Schahrudi,
⢠mit speziellen Posten bedacht, die fßr Hardliner kreiert wurden, z. B. Mesbah Yazdi, Ali Meschkini
⢠oder in anderen Institutionen untergebracht, z. B. RafsandschÄni, um die Balance der Macht zu erhalten.
GroĂajatollah
Nach dem Tode des GroĂajatollah Mohammad Ali Araki im Jahr 1994 versuchte Chamenei, dessen vakanten Posten als GroĂajatollah zu Ăźbernehmen. Damit hätte Chamenei langfristig die MĂśglichkeit gehabt, wie unter Chomeini, der oberste (politische) Rechtsgelehrte und zugleich oberster religiĂśser FĂźhrer zu sein. Die Geistlichen in Ghom standen dieser Bewerbung ablehnend gegenĂźber, auch aufgrund seiner mangelnden Studienzeit, bis letztlich Chamenei mit den Worten âder Titel ist fĂźr mich nicht wichtigâcite-ref-19[19] darauf verzichtete.
Liberalisierung und Reaktion
Die 1997 erfolgte Wahl von Mohammad ChÄtami zum Staatspräsidenten stärkte die Reformbewegung und fĂźhrte zu einer gewissen politisch-wirtschaftlichen Liberalisierung. Doch während bei der Parlamentswahl 2000 etwa 60 % der Abgeordneten aus dem Reformlager kamen, wurde 2004 den meisten reformerischen Politikern der Kandidatenstatus vom Wächterrat aus âreligiĂśsen GrĂźndenâ aberkannt. Das Parlament wird seither wiederum zu Ăźber 90 % von konservativen Parteien dominiert.
Präsidentschaftswahlen 2009
Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2009 hatte Chamenei eine Wahlempfehlung fßr Amtsinhaber Mahmud Ahmadineschad ausgesprochen. Am Wahlabend, noch vor dem amtlichen Endergebnis, erkannte er den Wahlsieg an. Am 13. Juni 2009 gratulierte er im iranischen Fernsehen Ahmadinedschad zu seinem Sieg:
âDass 24 Millionen Iraner fĂźr ihn gestimmt hätten, sei ein Anlass zum Feiern und eine Bestätigung fĂźr die Republik. [âŚ] Der Wahlausgang sei ein Beweis, dass das Volk dem psychologischen Krieg des Feindes Widerstand leiste und dass es selbständig bleibe. Er dankte dem Innenministerium, der Polizei und allen, die zum Wahlausgang beigetragen hätten.âcite-ref-20[20]
Wegen der anhaltenden Proteste nach der Präsidentschaftswahl 2009 kĂźndigte Chamenei am 15. Juni eine PrĂźfung der Wahl durch den Wächterrat an.cite-ref-21[21] In der mit Spannung erwarteten Freitagspredigt, am 19. Juni, nahm Chamenei Stellung zu den Präsidentschaftswahlen. Dabei erklärte er vor der anberaumten WahlprĂźfung durch den Wächterrat die Wahl fĂźr rechtenscite-ref-22[22] und stellte fest, dass die iranische Republik âniemals Verrat begehen und die Stimmen der Menschen manipulieren wĂźrdeâ. Die Rechtsstrukturen und die iranischen Wahlgesetze wĂźrden keinen Wahlbetrug erlauben.cite-ref-23[23] Gleichzeitig rief er alle Parteien auf, die Gewalt zu beenden,cite-ref-24[24] und gestand ein, den Ansichten des Wahlsiegers Ahmadineschad näher zu stehen als denen der anderen Kandidaten.cite-ref-25[25] Bei einem Treffen mit dem wiedergewählten Präsidenten Ahmadineschad am 7. September 2009 warnte er diesen vor SelbstĂźberschätzung mit den Worten: âAuch wenn das Votum des Volkes Quelle des Stolzes sein kann, sollte jede SelbstĂźberschätzung vermieden werden, weil sie eine der grĂśĂten Fallen des Teufels ist.âcite-ref-26[26]
Feldzug gegen Geisteswissenschaften
Nach den Präsidentschaftswahlen 2009 erklärte Chamenei vor ausgesuchten Studenten und Professoren: âDie meisten Humanwissenschaften basieren auf materialistischen Philosophien und betrachten den Menschen als ein Tierâ. Er sei âbeunruhigt, dass zwei Millionen HĂśrer in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern eingeschrieben sind.â Damit werden, so Chamenei, den jungen Leuten säkulare Gedanken beigebracht und âZweifel an den islamischen Prinzipien und Misstrauen in unsere Werte gesät.â Erste Hinweise auf die AnkĂźndigung eines neuen Kulturkampfes gab es im Schauprozess nach den Protesten nach den iranischen Präsidentschaftswahlen. Said Hajjarian musste in seinem Geständnis Ăśffentlich den Philosophen Max Weber, Talcott Parsons und JĂźrgen Habermas abschwĂśren.cite-ref-27[27]
Medien
Im Zuge der Proteste nach der Präsidentschaftswahl 2009 schränkte Chamenei, nach Art. 110 der iranischen Verfassung âLeiter aller Medien Iransâ, die ohnehin praktisch nicht vorhandene Meinungs- und Pressefreiheit stark ein. Bereits seit 2006 verschärfte sich die Internetzensur in Iran mittels Filtersoftware und Verringerung der Ăbertragungsgeschwindigkeit sowie Sperrung verschiedener Webseiten, wie Facebook. Am 13. Dezember 2012 meldete sich Chamenei jedoch selbst bei Facebook an, was bei Bloggern Verwunderung hervorrief, da die Seite âfĂźr ihn erlaubt, fĂźrs Volk strafbarâ sei.cite-ref-28[28] Ab Rohanis Amtsantritt im August 2013 verschlechterte sich Beobachtern zufolge die Situation mit einer âregelrechten Jagd auf Blogger und Internet-Aktivistenâ nochmals dramatisch.cite-ref-pub2015-29-0[29]
Proteste im Jahr 2022
BezĂźglich der Proteste in Iran seit September 2022 erklärte Chamenei, dass der Tod von Mahsa Amini nicht Ursache der Unruhen sei, sondern âdass diese Unruhen und Unsicherheiten von Amerika und dem zionistischen Regime und ihren Mitarbeitern geplantâ worden seien. Chamenei ergänzte unter anderem: Zu den âgewalttätigen Ausschreitungenâ gegen den iranischen Staat sei es gekommen, weil âjemand Unsicherheit auf den StraĂenâ geschĂźrt habe.cite-ref-30[30] Im Dezember verĂśffentlichte der Neffe von Chamenei einen Brief seiner Mutter (Schwester von Chamenei), in der diese die despotische FĂźhrung ihres Bruders verurteilte und erklärte, dass sie hoffe âden Sieg der BevĂślkerung und den Sturz dieser Iran regierenden Tyrannei bald zu sehenâ. Sie drĂźckte in dem Brief auch ihr MitgefĂźhl âmit allen MĂźttern aus, die die Verbrechen des Regimes der Islamischen Republik [âŚ] betrauernâ. Sie warf der StaatsfĂźhrung ihres Bruders vor, âIran und Iranern nichts als Leiden und UnterdrĂźckungâ gebracht zu haben. Sie selbst kĂśnne wegen ihrer kĂśrperlichen Verfassung nicht an den Protesten teilnehmen.cite-ref-31[31]
Israelisch-iranischer Krieg
Im Juni 2025, während des israelisch-iranischen Krieges, quartierte sich Chamenei in einem Bunker ein und benannte drei mÜgliche Nachfolger fßr den Fall seines Todes. Bei den von Chamenei ausgewählten Kandidaten soll es sich um drei hochrangige Geistliche handeln, nicht jedoch um seinen Sohn. Der Expertenrat sollte dann ßber seine Nachfolge entscheiden.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]
Staatsterrorismus
BezĂźglich des von Ruhollah Chomeini ausgesprochenen Todesurteils gegen Salman Rushdie wegen dessen Romans Die satanischen Verse äuĂerte sich Chamenei 1989 folgendermaĂen:
âDer schwarze Pfeil des Todes ist abgeschossen und auf dem Weg zu seinem Ziel.âcite-ref-34[34]
2019 erklärte Chamenei aus Anlass des 30. Jahrestages dieser Fatwa gegen Rushdie, dass Chomeinis damaliges Urteil auf heiligen Versen basiere und unwiderruflich sei.cite-ref-35[35] Am 12. August 2022 wurde Rushdie durch einen Mordversuch eines Sympathisanten der iranischen Revolutionsgarde lebensgefährlich verletzt.cite-ref-nyt-36-0[36]cite-ref-37[37]cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]cite-ref-45[45] Iranische Stellen hatten im Laufe der Jahre das Kopfgeld fßr die Ermordung Rushdies auf insgesamt rund 4 Millionen US-Dollar erhÜht.cite-ref-46[46]cite-ref-nzz-vier-millionen-f-r-einen-killer-47-0[47]cite-ref-spon-1078611-48-0[48]cite-ref-49[49]
Am 6. August 1991 wurde in Paris der letzte Ministerpräsident des Schahs, Schapur Bachtiar, in seiner Wohnung ermordet. Der Auftragsmord wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit vom obersten Revolutionsfßhrer angeordnet, wie einer der festgenommenen Attentäter in der Gerichtsverhandlung aussagte.
Nach dreieinhalbjährigem Prozess verurteilte das Berliner Kammergericht im April 1997 Kazem Darabi und den Libanesen Abbas Rhayel wegen Mordes mit besonderer Schwere der Schuld zu lebenslanger Freiheitsstrafe im Mykonos-Prozess. Das Urteil stellte klar, dass der Auftrag zum Mord an vier iranisch-kurdischen Exilpolitikern von staatlichen Stellen Irans erteilt worden war und der ReligionsfĂźhrer Ali Chamenei sowie der ehemalige Staatspräsident Akbar HÄschemi RafsandschÄni Ăźber das Attentat vorab informiert waren (Aktenzeichen: (1) 2 StE 2/93 [19/93]).cite-ref-50[50]
RĂźcktrittsforderungen
In einem Brief an den Vorsitzenden des Expertenrats, Akbar HÄschemi RafsandschÄni, hat der schiitische Geistliche Mohsen Kadivar im August 2010 die Absetzung des RevolutionsfĂźhrers Ali Chamenei gefordert. Kadivar begrĂźndet dies damit, dass das Staatsoberhaupt systematisch versucht habe,cite-ref-51[51] den Expertenrat an der Wahrnehmung seiner Pflichten und Aufgaben zu hindern. Kadivar bezeichnete in dem offenen Brief Chamenei als Despoten, der âsowohl die Gesetze und die Verfassung als auch die Rechte der BĂźrger eklatant missachtet und den Grundsätzen des Islam zuwidergehandelt habeâ.cite-ref-52[52]
Antisemitismus und Israel
In der Islamischen Republik Iran sind nach Walter Posch drei Kategorien antijĂźdischer Vorurteile auszumachen:
1. islamischer Antijudaismus, der in sehr traditionellen und konservativen Schichten vorhanden ist, sich aber im Wesentlichen auf Fragen der rituellen Reinheit beschränkt und eher in der LandbevÜlkerung und in Kleinstädten eine Rolle spielt;
2. adaptierter europäischer Antisemitismus, wie er im 19. und 20. Jahrhundert verbreitet war, dessen Kernstßck der Revisionismus ist; und
3. die Ablehnung der StaatsgrĂźndung Israels.cite-ref-53[53]
Die erste Kategorie ist fĂźr Chamenei durch eine Fatwa obsolet â er erklärte in einem seiner Rechtsgutachten Juden, Christen, Zarathustrier und die Sabäer fĂźr kultisch rein. Die zweite Kategorie wird im Wesentlichen von Chamenei teils in stiller Duldung bzw. aktiver FĂśrderung eingesetzt. FĂźr die dritte Kategorie sind bei Chamenei im Laufe der Jahre teilweise widersprĂźchliche Positionen auszumachen; die Rhetorik reicht von der radikalen Vernichtung des Staates Israel bis zur âAuflĂśsung von Israel durch eine Volksabstimmungâ. Im Folgenden Aussagen von Chamenei:cite-ref-54[54]
Antizionismus
⢠1999: âAus islamischen, menschlichen, wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen und (allgemein) politischen Gesichtspunkten ist die Gegenwart Israels eine gewaltige Bedrohung der VĂślker und Staaten in der Region. [âŚ] Und es gibt nur eine LĂśsung, das Problem im mittleren Osten zu lĂśsen, nämlich die Zerschlagung und Vernichtung des zionistischen Staates.âcite-ref-55[55]
⢠2000: âEs ist die Position Irans, zuerst durch den Imam [Chomeini] verkĂźndet und viele Male von den Verantwortlichen wiederholt, dass das KrebsgeschwĂźr, genannt Israel, aus der Region herausgerissen werden muss.âcite-ref-56[56]
⢠2005: âDie islamische Republik hat niemals gedroht und wird niemals ein Land bedrohen.âcite-ref-59[59]
⢠âDas Ziel Irans ist nicht die militärische ZerstĂśrung des jĂźdischen Staates oder der jĂźdischen BevĂślkerung, jedoch die Niederlage der zionistischen Ideologie und die AuflĂśsung von Israel durch eine Volksabstimmung.âcite-ref-sad-10-2[10]
⢠2009: âDie Teilnahme am al-Quds-Tag [⌠ist ein] deutlicher Aufschrei der Muslime gegen den zerstĂśrerischen zionistischen Krebs. Dieser Krebs, der die islamische Nation zerfrisst, ist von den Besatzern und Mächten der UnterdrĂźckung hervorgerufen worden.âcite-ref-60[60]cite-ref-61[61]
⢠2013: Israel sei âein tollwĂźtiger Hund in dieser Region. [âŚ] Seine fĂźhrenden Politiker sehen wie Tiere aus, man kann sie nicht menschlich nennen.âcite-ref-63[63]
⢠2014: Zum 9. November 2014 (dem Jahrestag der Reichspogromnacht 1938) lieà Chamenei einen Neun-Punkte-Plan zur ZerstÜrung Israels auf Twitter verbreiten.cite-ref-64[64]
⢠2015: Nach Abschluss des Atomabkommens sagte Chamenei im September 2015, er habe erfahren, dass die âZionisten in Palästinaâ der Ansicht seien, man brauche sich nun 25 Jahre keine Gedanken um Iran machen. Ihnen sage er: âIhr werdet die nächsten 25 Jahre nicht erleben. So Gott will, wird es so etwas wie das zionistische Regime in dieser Region nicht mehr geben.â Der âislamische Geist des Kämpfens und des Heldenmuts und des Dschihadsâ werde âdie Zionisten keine Sekunde mehr ruhen lassenâ.cite-ref-65[65]
⢠2019: Erstmals distanzierte sich Chamenei im Juni 2019 von âfrĂźheren arabischen FĂźhrern, die glaubten, dass Juden ins Meer getrieben werden solltenâ. Dies sei ânicht die Ansicht der Islamischen Republikâ Iran.cite-ref-66[66]
⢠2020: Im Mai zog Chamenei mit einer Zeichnung unter dem Motto âPalästina wird frei seinâ, die den Jerusalemer Tempelberg zeigte, Kritik auf sich. DarĂźber stand: âDie EndlĂśsung. Widerstand bis zu einem Referendumâ. Das Bild auf Chameneis Webseite zum al-Quds-Tag zeigte feiernde Soldaten mit Palästinenserflaggen sowie Menschen mit Flaggen der islamistischen Terrororganisationen Hamas und Hisbollah. Israels Regierungschef Netanjahu sagte, dass Chameneis Drohungen, die âEndlĂśsungâ gegen Israel umzusetzen, âan die âEndlĂśsungâ der Nazis zur Vernichtung des jĂźdischen Volksâ erinnerten. Auf Twitter schrieb Chamenei: âWir werden jede Nation oder Gruppe, die gegen das zionistische Regime ist und es bekämpft, unterstĂźtzen.â Die âAuslĂśschung des zionistischen Regimesâ bedeute nicht die der Juden, sondern vielmehr, ein âaufgedrängtes Regimeâ wie das Netanjahus abzuschaffen. Weiter schrieb er: âMuslimischen, christlichen und jĂźdischen Palästinensern sollte erlaubt werden, ihre eigene Regierung zu wählen. Dies ist mit der AuslĂśschung Israels gemeint und dies wird auch Realität.âcite-ref-67[67] In seiner Neujahrspredigt am 22. März 2020 behauptete Chamenei, die COVID-19-Pandemie wäre auf das Zusammenwirken von bĂśsen Geistern (Dschinns) und Menschen zurĂźckzufĂźhren.cite-ref-68[68] Später hieĂ es auf seiner Website, es gäbe âkeinen Zweifelâ, dass âJuden und insbesondere Zionistenâ eine besondere âBeziehung zum Teufel und zu Geisternâ hätten.cite-ref-69[69] Im April 2020 verglich Chamenei in einem Tweet Israel und den Zionismus mit dem Coronavirus und dessen Bekämpfung.cite-ref-70[70]
⢠2024: Im Jahr 2024 rief er muslimische Länder zum Kampf gegen Israel auf.cite-ref-71[71]
Holocaustleugnung
Chamenei leugnete den Holocaust, den er als Märchen bezeichnet, und unterstĂźtzt andere Holocaustleugner.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73] Unter anderem äuĂerte er sich zum Holocaust wie folgt:
⢠2000: âWenn schon jemand aufsteht und wie der Franzose [= Roger Garaudy] einige BĂźcher gegen den Zionismus schreibt und es auch als eine Unwahrheit bezeichnet, dass Juden in BrennĂśfen verbrannt worden sind, behandeln sie ihn ganz anders als sonst.âcite-ref-74[74]
⢠2001: âDie Ăźbertriebenen Statistiken Ăźber die Ermordung von Juden sind selbst Instrumente, um das Mitleid der BevĂślkerung zu erwecken.âcite-ref-75[75]
⢠2006: âDie Meinungsfreiheit, die sie [Anm.: der Westen] meinen, erlaubt es gar nicht, dass jemand das Märchen von der Ermordung der Juden, das auch Holocaust genannt wird, anzweifelt.âcite-ref-76[76]
Auch 2014 stellte Chamenei die Realität der Massenvernichtung der europäischen Juden in Frage.cite-ref-77[77] Am 27. Januar 2016, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, verĂśffentlichte Chamenei auf seiner Webseite ein dreiminĂźtiges Video mit Bildmontagen, in dem er behauptete, es sei unklar, ob bzw. wie der Holocaust sich ereignet habe. Weiter sagte er, dass niemand in Europa wage, darĂźber zu sprechen, und diejenigen, die Zweifel äuĂerten, von denen verfolgt und inhaftiert wĂźrden, die fĂźr sich, so Chamenei, beanspruchen wĂźrden, UnterstĂźtzer der Freiheit zu sein.cite-ref-78[78] Ende 2019 lobte Chamenei den franzĂśsischen Holocaustleugner Roger Garaudy erneut und bezeichnete ihn als âmutigâ und âunermĂźdlichâ.cite-ref-79[79]
AuĂenpolitik
Laut Chamenei betrachtet sich der religiĂśse FĂźhrer im Verständnis der Islamischen Republik Iran und deren Verfassung nicht als Diktator, sondern vom Gesetz des Propheten und damit vom gĂśttlichen Auftrag geleitet.cite-ref-80[80] Nach Artikel 109 der iranischen Verfassung bedarf es fĂźr den religiĂśsen FĂźhrer neben persĂśnlicher islamischer Voraussetzungen auch Eigenschaften wie âvernĂźnftige politische und gesellschaftliche Weitsicht, Besonnenheit, Tapferkeit, administrative Fertigkeiten und adäquate FĂźhrungsfähigkeiten.âcite-ref-81[81] Chamenei versteht wie Ruhollah Chomeini seine Aufgabe nicht darin, sich in aktuelle Tagespolitik einzumischen, dafĂźr gibt es das Amt des Präsidenten, jedoch hat er bei auĂenpolitisch fĂźr Iran bzw. den Islam wichtigen Angelegenheiten klar Stellung bezogen, so z. B. beim Irakkrieg, Atomstreit, Mohammed-Karikaturen, Papstzitat von Regensburg etc. Diese Stellungnahmen, auch mittels Fatwa, binden den iranischen Präsidenten bei dessen politischen Entscheidungen und geben langfristig die auĂenpolitische Richtung Irans vor.
Atomstreit
Im Oktober 2003 wurde von Chamenei, in Ăbereinstimmung mit der religiĂśsen FĂźhrung in Ghom hinsichtlich der religiĂśsen Grundsätze des Islam, die Entwicklung und der Gebrauch von Massenvernichtungswaffen untersagt.cite-ref-82[82] Am 24. Juni 2004 sprach Chamenei im iranischen Fernsehen: âWir haben keinen Bedarf fĂźr eine Atombombe. Wir haben unsere Feinde Ăźberwunden, auch ohne Atombombe.âcite-ref-83[83] Am 5. November 2004 unterstrich Chamenei diesen Satz während der Freitagspredigt an der Universität Teheran: âWir denken nicht an Atomwaffen. Ich sagte dies bereits viele Male. Unsere Atomwaffe ist dieses Volk.âcite-ref-84[84]
Im August 2005 hat Chamenei eine Fatwa erlassen (und der IAEA notifiziert), die Herstellung und Gebrauch atomarer Waffen verbietet.cite-ref-85[85] Zum Atomstreit nahm Chamenei im Januar 2006 nochmals Ăśffentlich Stellung: âWir wollen keine Atomwaffen, der Westen weiĂ das.â Der Besitz von Nuklearwaffen, so Chamenei, widerspreche den politischen und Ăśkonomischen Interessen des Landes und sei gegen die islamische Lehre.cite-ref-86[86] Gleichzeitig betonte er, Iran wolle das Nuklearprogramm ausbauen.
Am 4. Mai 2008 erklärte Chamenei zum neuen Gesprächsangebot westlicher Staaten im Atomstreit mit Iran, dass Drohungen Iran nicht zum Rßckzug bewegen wßrden.cite-ref-87[87]
Am 11. September 2009 erklärte Chamenei in seiner Freitagspredigt in Teheran: Wenn Iran auf seine Rechte verzichten wĂźrde, seien es nukleare oder andere, bedeute dies den âNiedergang der Islamischen Republikâ. Mehr als 200 Jahre, so Chamenei, gäbe es ein âheimtĂźckisches Verhalten der amerikanischen und britischen Regierungenâ gegenĂźber Iran. âAlso, was soll es. Sie kĂśnnen uns nicht mehr einschĂźchtern.âcite-ref-88[88]
Am 16. Februar 2013 nahm Chamenei nochmals Stellung im Atomstreit: âWir planen keine Nuklearwaffen, nicht wegen des Unbehagens der USA, sondern weil wir Ăźberzeugt sind, dass Atomwaffen ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind.â Wenn Iran die Absicht hätte, Atomwaffen zu bauen, so Chamenei, werde dies niemand verhindern kĂśnnen.cite-ref-89[89]
Irakkrieg
Am 6. Mai 2004 sprach Chamenei Ăźber den Irakkrieg: âdie Amerikaner stecken im Irak fest und haben keinen Ausweg. Sie sind wie ein Wolf, dessen Schwanz in einer Falle gefangen wurde [âŚ] Sie sind tief im Sumpf.âcite-ref-90[90] Am ersten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan, dem 14. September 2007, verglich Chamenei US-Präsident George W. Bush mit Adolf Hitler und Saddam Hussein, der vor ein Kriegsgericht und zur Rechenschaft gezogen werde. âWarum hat ein reiches Land wie der Irak kein Wasser, keinen Strom, keine Krankenhäuser und keine Schulen? Das Einzige, was die Amerikaner in den Irak gebracht haben, ist der Terrorismus.âcite-ref-91[91]
Syrien
Im syrischen BĂźrgerkrieg lieĂ er Iran das Assad-Regime unterstĂźtzen.cite-ref-92[92] Laut dem Syrischen Netzwerk fĂźr Menschenrechte (SNHR) wurden im syrischen BĂźrgerkrieg bis Juli 2024 insgesamt 231.496 Zivilisten getĂśtet. 87 % der zivilen Todesopfer sind dabei laut SNHR auf die syrischen Streitkräfte und iranische Pro-Assad-Kräfte zurĂźckzufĂźhren.cite-ref-93[93] Nachdem Baschar al-Assad im Dezember 2024 von islamistischen syrischen Rebellen (vor allem der HTS und SNA) gestĂźrzt worden war und Iran dadurch eine starken auĂenpolitischen Machtverlust erlitt,cite-ref-94[94]cite-ref-95[95] behauptete Chamenei, die USA und Israel hätten den Sturz des Assad-Regimes herbeigefĂźhrt.cite-ref-96[96] Die Geschehnisse in Syrien seien âdas Ergebnis eines amerikanisch-zionistischen Plansâ. Bei einer religiĂśsen Zeremonie sagte er, man gehe âdavon aus, dass sich in Syrien wieder eine starke (Widerstands-)Gruppe bildenâ werde; vor allem die syrische Jugend werde erneut Widerstand gegen die leisten, die ihr Land und ihre Zukunft wiederholt unsicher gemacht hätten, so Chamenei. Der AuĂenminister der syrischen Ăbergangsregierung, Asaad Hassan al-Shaybani, warnte Iran daraufhin davor, Chaos in Syrien zu verbreiten.cite-ref-97[97]
USA
Während Gespräche mit den USA Ăźber die Lage im Irak fĂźr Chamenei â nach seiner Rede vom 21. März 2006 â keine Probleme darstellen (âWenn iranische Vertreter dafĂźr sorgen kĂśnnen, dass die USA einige Themen im Irak verstehen, dann gibt es kein Problem mit Verhandlungen.â),cite-ref-98[98] lehnte Chamenei nach Angaben des iranischen Fernsehens vom 27. Juni 2006 direkte Verhandlungen mit den USA im Atomstreit mit den Worten âMit Amerika zu verhandeln erbringt keine Vorteile fĂźr uns und wir brauchen solche Verhandlungen nichtâ ab.cite-ref-99[99]
In einer Rede am 3. Januar 2008 nahm Chamenei nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr zu den Beziehungen zu den USA Stellung: âDer Abbruch der Beziehungen zu den USA sei bisher eine der Grundlagen der iranischen Politik. Aber wir haben nie gesagt, dass diese Unterbrechung fĂźr immer istâ. Mit der Regierung von George W. Bush werde es keine besseren Beziehungen geben.
Am 21. März 2009 nahm Chamenei Stellung zu der Videobotschaftcite-ref-100[100] des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obamacite-ref-101[101] an das iranische Volk und die FĂźhrung Irans anlässlich des Neujahrsfestes: âDie USA sind in der Welt verhasst und mĂźssen aufhĂśren, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.â Zugleich betonte er: âWir haben keine Erfahrung mit der neuen amerikanischen Regierung und dem neuen amerikanischen Präsidenten. Wir werden sie beobachten und urteilen. Wenn Sie Ihre Haltung ändern, werden wir unsere Haltung ändern.âcite-ref-102[102] âWenn unter diesem Samthandschuh eine eiserne Faust versteckt ist, hat diese Geste keinen Wert.âcite-ref-103[103] Obama beabsichtigte laut der Zeitung New York Times, âdas Verbot von direkten Kontakten zwischen US-Diplomaten und iranischen Repräsentanten in aller Welt aufzuhebenâcite-ref-104[104] und darĂźber hinaus eine direkte Kommunikation mit Chamenei anzustreben.cite-ref-105[105]
Am 21. März 2010 hat Chamenei dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama vorgeworfen, ein Komplott gegen die Islamische Republik zu schmieden. âSie haben Briefe geschrieben und Mitteilungen geschickt, in denen sie sagten, sie wollten die Beziehungen zur Islamischen Republik normalisieren. Aber in der Praxis haben sie das Gegenteil getan.â Die USA hätten schon bei den Unruhen nach der Präsidentenwahl im Juni 2009 die âschlechtestmĂśgliche Positionâ eingenommen, indem Randalierer als BĂźrgerrechtler bezeichnet wurden.cite-ref-106[106] Am 17. April 2010 sprach er in einer GruĂbotschaft zur ErĂśffnung eines Nukleargipfels in Teheran: âDer einzige Nuklearkriminelle der Welt behauptet fälschlich, im Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen zu sein [âŚ] Ăźbernimmt jedoch definitiv keine ernsthaften MaĂnahmen in Bezug auf die Frage.âcite-ref-107[107]
Karikaturenstreit
Zum Karikaturenstreit bemerkte Chamenei im iranischen Fernsehen, âdie Wut unter den Muslimen ist gerechtfertigt und sogar heilig. Sie wendet sich jedoch nicht gegen die Christen weltweit, sondern gegen einige diabolische Kräfte, die an dieser teuflischen Affäre beteiligt sind. [âŚ] Die Affäre um die Karikaturen ist eine VerschwĂśrung der Zionisten, um Spannungen zwischen Muslimen und Christen zu erzeugenâ.cite-ref-108[108]
Papstzitat von Regensburg
Das Papstzitat von Regensburg (ein im September 2006 publiziertes Diktum von Benedikt XVI.) bezeichnete Chamenei als das âletzte Glied eines Komplotts fĂźr einen Kreuzzug.âcite-ref-109[109]
Jassir Arafat
Im Dezember 2004 wĂźrdigte Chamenei den verstorbenen Jassir Arafat fĂźr âseine herausragende Rolle im Kampf fĂźr die Rechte seines Volkes und gegen Israel.âcite-ref-110[110] Die Nachfolger des Palästinenserpräsidenten dĂźrften nicht vergessen, dass die FortfĂźhrung von Intifada und Widerstand eine strategische Entscheidung des Volkes seien.
Schatt al-Arab
Im Zusammenhang mit der Gefangennahme von 15 britischen Marinesoldaten am 23. März 2007 auf dem Schatt al-Arab an der Grenze zu Iran kam es zu einem brieflichen Kontakt zwischen dem Papst Benedikt XVI. und dem Ajatollah Chamenei.cite-ref-111[111] Beide Seiten waren darauf bedacht, die Situation mit einer Geste des guten Willens, im Angesicht der wichtigen Feiertage des christlichen Osterfestes und dem Geburtstag des islamischen Propheten Mohammed, zu entspannen.cite-ref-112[112]
Familie
Chamenei hat vier SĂśhne:cite-ref-113[113]
⢠Mostafa (* 1965) ist mit der Tochter von Mohammad-Hossein Choschwaght, Minister unter Mohammad ChÄtami, verheiratet.
⢠Modschtaba (* 1969 in Maschhad) ist mit der Tochter des ehemaligen iranischen Parlamentspräsidenten Gholam Ali Haddad-Adel verheiratet,
⢠Massud Chamenei (* 1974)
⢠Maysam Chamenei (* 1978)
und zwei TĂśchter,
⢠Boschra Chamenei (* 1980)
⢠Hoda Chamenei
Die Schwester Chameneis war mit dem Dissidenten Scheich Ali Tehrani verheiratet. Dessen Sohn, Mahmud Tehrani, lebt (Stand 2009) im Exil in Paris. Er äuĂerte 2009 die Vermutung, sein Onkel sei ein Spielball der Iranischen Revolutionsgarde, von Mahmud Ahmadinedschad oder von Mesbah Yazdi.cite-ref-114[114]cite-ref-115[115]
VerĂśffentlichungen
Politisch-religiĂśse Texte, ab 1963
⢠1. Islamische Gedanken im Koran (Ein Ăberblick)
⢠2. Die Tiefe des Gebetes
⢠3. Ein Diskurs ßber die Geduld
⢠4. Die Prinzipien der vier Bßcher von Traditionen in Bezug auf die Biographie des Erzählers
⢠5. Vormundschaft (Wilayah)
⢠6. Ein Gesamtbericht des Islamischen Seminars von Maschhad
⢠7. Imam as-Sadiq
⢠8. Einheit und politische Parteien
⢠9. PersÜnliche Ansichten ßber die Kunst
⢠10. Richtiges Verstehen der Religion
⢠11. Kampf der schiitischen Imame
⢠12. Die Essenz der Einheit Gottes
⢠13. Die Notwendigkeit der Rßckkehr zum Koran
⢠14. Imam as-Sadschad
⢠15. Imam Reza und seine Ernennung zum Kronprinzen.
⢠16. Die kulturelle Invasion (Sammlung von Reden)
⢠17. Sammlungen von Reden und Beiträge (9 Bände)
2014 erschien sein Buch Ein 250 Jahre alter Mensch.
Ăbersetzungen
Chamenei hat aus dem Arabischen ins Persische Ăźbersetzt:
⢠1. Der Friedensvertrag von Imam Hasan, von Raazi Aal-Yasseen
⢠2. Die Zukunft der islamischen Religion (al-Mustaqbal li-hadhaâl-Din), von Sayyid Qutb
⢠3. Muslime in der liberalen Bewegung Indiens, von Abdulmunaim Nassri
⢠4. Eine Anklage gegen die westliche Zivilisation, besser bekannt unter Zeichen auf dem Weg (Maâalim fi t-tariq), von Sayyid Qutb
Siehe auch
Literatur
⢠Yvette Hovsepian-Bearce: The Political Ideology of Ayatollah Khamenei: Out of the Mouth of the Supreme Leader of Iran. Routledge, London 2015, ISBN 978-1-138-81310-6.
⢠Akbar Gandschi: Who Is Ali Khamenei? The Worldview of Iranâs Supreme Leader. In Foreign Affairs, September/Oktober 2013.
⢠Hans-Peter DrÜgemßller: Iranisches Tagebuch. 5 Jahre Revolution. Hamburg 1983, ISBN 3-922611-51-6.
⢠Ali Sadrzadeh: Ali Khamenei: Aufstieg und Herrschaft, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-17-046309-7
Weblinks
Commons
: Ali Chamenei
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Offizielle Webpräsenz von Ali Chamenei
⢠Offizielle Webpräsenz ßber den Obersten Fßhrer
⢠Ali Chamenei im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
⢠Gabriela M. Keller: Der Ayatollah, ein Revolutionär der ersten Stunde. Die Welt, 16. Juni 2009.
⢠Ayatollah Ali Chamenei: In Krisenzeiten stets ein Hardliner. Tageblatt, 13. Januar 2020.
⢠Ajatollah Ali Chamenei: Irans unangefochtener Fßhrer. General-Anzeiger, 2. Januar 2018.
⢠Ajatollah Sejed Ali Chamenei: Ein Kleriker ohne Charisma. Der Stern, 18. Juni 2013.
Einzelnachweise
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cite-note-lea-33. â leader.ir/de/content/14163/Biographie (Memento vom 24. Mai 2016 im Internet Archive), abgerufen am 24. Mai 2016
cite-note-autogenerated1-44. â Iran. In: CIA World Fact Book. 2013, abgerufen am 1. Juni 2013.
cite-note-55. â Majd, Hooman: Change Comes to Iran. In: The Daily Beast. 19. Februar 2009, abgerufen am 13. November 2010 (englisch): âAyatollah Ali Khamenei, [âŚ], while ethnically Turkic is also half Yazdi, but he seems not to have inherited the timidity gene from his mother.â
cite-note-66. â Iran-Iran: Azeris unhappy at being butt of national jokes. IRINnews, 25. Mai 2006, abgerufen am 21. Juni 2013 (englisch).
cite-note-77. â Sister of Iranâs President Flees to Husband in Iraq. nytimes.com, 3. Mai 1985; abgerufen am 1. Februar 2013.
cite-note-88. â Chamenei selbst fĂźhrt die Krankheit seines Vaters an, deretwegen er sein Studium abgebrochen habe; seine politische Betätigung begann jedoch schon 1963.
cite-note-99. â Akbar Ganji: Who Is Ali Khamenei? The Worldview of Iranâs Supreme Leader. In Foreign Affairs, September/Oktober 2013.
cite-note-sad-1010. â Karim Sadjadpour: Reading Khamenei. (PDF; 2,2 MB) Carnegie Endowment for International Peace, 2008
cite-note-1111. â Ab diesem Zeitraum wird Chamenei mit dem religiĂśsen Titel Hodschatoleslam bedacht.
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cite-note-2222. â Geistliches Oberhaupt erklärt Wahl im Iran fĂźr rechtens (Memento vom 7. September 2012 im Webarchiv archive.today) AFP vom 19. Juni 2009
cite-note-2323. â Chamenei enttäuscht die Opposition (Memento vom 5. November 2009 im Internet Archive) taz.de vom 19. Juni 2009
cite-note-2424. â Chamenei stĂźtzt Ahmadineschad Die Zeit online vom 19. Juni 2009.
cite-note-2525. â Chamenei stĂźtzt Ahmadineschad FAZ vom 19. Juni 2009
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cite-note-3232. â Chamenei trifft Vorkehrungen fĂźr eigenen Tod. In: n-tv.de. 21. Juni 2025, abgerufen am 21. Juni 2025.
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